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Josefov - das jüdische Viertel im Prag

Josefov, wie das jüdische Viertel im Prag heißt, zieht Besucher aus aller Welt an. Das historische Judenviertel ist eine der Hauptattraktionen von Prag.

Die jüdische Kultur hat in Prag eine lange Tradition. Bereits im 9. Jahrhundert kamen jüdische Kaufleute nach Prag. Im 12. Jahrhundert hatte sich in Prag schon eine richtige jüdische Gemeinde gebildet. Trotz der Ausgrenzung und der beengten Lebensverhältnisse entwickelte sich die jüdische Gemeinde weiter. Ihre Blütezeit erlebten die Prager Juden im 16. Jahrhundert, als ihr Gemeindeoberhaupt Maisel zum Finanzberater von Rudolf II. wurde. 1850 wurde die jüdische Stadt unter dem Namen Josefstadt (Josefov) Prag als fünfter Stadtteil angegliedert. Ihre heutige Gestalt geht auf eine umfangreiche Sanierung zurück, bei der ganze Häuserblocks abgerissen und anschließend neu aufgebaut wurden. Die schlimmste Zeit begann für die jüdische Gemeinde jedoch erst mit der systematischen Ausrottung durch die Nazis, die nicht einmal 20 Prozent der Prager Juden überlebte. Die Prager Josephstadt enthält noch heute wertvolle Zeugnisse der jüdischen Kultur. Außerdem gehören die Häuser des Viertels heute zu den prachtvollsten Gebäuden von ganz Prag.

Alte jüdische Friedhof

Josefov

Der Alte Jüdische Friedhof ist heute ein Kulturdenkmal und beherbergt über 10.000 Grabsteine. Obwohl die Grabsteine sehr nah beieinander stehen, war der Platzmangel so groß, dass die Gräber in mehreren Schichten übereinander angelegt wurden. Die in die Grabsteine eingemeißelten Symbole bezeichnen die Familien der Bestatteten oder ihren Beruf. Das meistbesuchte Grab ist das von Rabbi Löw. Ihm wird einer Legende zufolge die Schöpfung des Golem nachgesagt, eines Menschen aus Lehm, der die Juden beschützt. Wer die Atmosphäre des Friedhofes erleben möchte, tut gut daran, früh am Morgen zu kommen, wenn noch keine Besuchermassen über die ausgewiesenen Pfade vorbei an den Gräbern gehen.

Das jüdische Rathaus
Das Jüdische Rathaus (tschechisch Židovská radnice) ist ein Barockgebäude im Prager Stadtteil Josefstadt und Sitz der jüdischen Gemeindeverwaltung in Prag. Es war der Sitz der jüdischen Selbstverwaltung der Prager Judenstadt, wo der Ältestenrat residierte, der die Gemeinde nach innen und außen repräsentierte.

Die Altneu-Synagoge
Die Altneusynagoge ist das wertvollste Denkmal des Prager Ghettos und gehört zu den ältesten erhaltenen Synagogen Europas und den wichtigsten Werken der Frühgotik in Prag. Im Mittelpunkt des Innenraums umgibt ein schmiedeeisernes Gitter die Thorabühne, von der aus die Thora (jüdisches Gesetz) vorgetragen wird. Achteckige Steinpfeiler stützen das Gewölbe. Auch heute noch werden in der Altneusynagoge der jüdischen Gemeinde Gottesdienste abgehalten.

Die Pinkas-Synagoge
Die Pinkassynagoge war früher ein Gebetshaus, ist aber heute eine Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Das ursprüngliche Gebäude wurde 1535 im spätgotischen Stil erweitert. An den Wänden finden sich die Namen von tschechoslowakischen Opfern des Holocausts. Im ersten Stock ist eine Ausstellung von Kinderzeichnungen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt (Terezín) zu sehen.

Die Maisel-Synagoge
Die einst größte Prager Synagoge ließ Mordechaj Maisel Ende des 16. Jhs. bauen. Nach einem Brand 1689 wurde sie verkleinert und zu Beginn des 19. Jhs. neugotisch umgebaut. Es ist heute ein Museum zur älteren jüdischen Geschichte Böhmens.

Die Spanische-Synagoge

Josefov

Erbaut an der Stelle der ältesten Prager Synagoge, die 1867 abgerissen wurde. Erhielt ihren Namen nach ihrer Gestaltung im damals hochmodernen maurisch-orientalisierenden Stil. Sie diente als Tempel der Reformgemeinde Prags. Sie ist ein Zentralbau von quadratischem Grundriss mit einer Kuppel über dem Mittelraum. Von drei Seiten wurden die auf Metalltragwerken ruhenden, ins Hauptschiff offenen Galerien eingebaut.

Die Klausen-Synagoge
Die Klausensynagoge steht in der unmittelbaren Nachbarschaft des Alten Jüdischen Friedhofs. Ihr Name rührt vom deutschen Wort „Klause“ her (lat. claustrum). Das heutige Gebäude der Klausensynagoge entstand erst nach dem verheerenden Ghettobrand von 1689 und wurde 1694 vollendet. Sie war die größte Synagoge im Ghetto und zugleich das der Prager Beerdigungsbruderschaft vorbehaltene Gotteshaus. In der Synagoge gibt es Ausstellungsstücke zu jüdischen Bräuchen und Festtagen wie Geburt, Beschneidung und Hochzeit.

Die Hohe Synagoge
1994 wurde die Hohe Synagoge der jüdischen Gemeinde zurückgegeben und dient seit 1995 als Alltagsbethaus für das Rabbinat und die Angestellten der Gemeinde. Hier finden seither Trauungen, Beschneidungen und zu festlichen Anlässen Versammlungen statt. Die Frauenempore im Nachbargebäude wurde ebenfalls erneuert.

Jüdisches Museum (Pražské židovské muzeum)
Es wurde 1906 von der Prager Jüdischen Gemeinde gegründet, als eines der ersten jüdischen Museen in Mitteleuropa. Es besitzt reichhaltige Sammlungen und verwaltet das Archiv, die Bibliothek und die Ausstellungen in den umliegenden Architekturdenkmälern. Dank seiner guten Erträge unterstützt das Museum jüdische Gemeinden in ganz Tschechien.
Mehr Info http://www.jewishmuseum.cz/

Obwohl nur die bedeutendsten Baudenkmäler als Zeugen der viele Jahrhunderte währenden Geschichte der Prager Juden gerettet werden konnten, stellt die heutige Prager Jüdische Stadt den am besten erhaltenen Komplex jüdischer Denkmäler in Europa dar.

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